Ahora que los principales centros de poder de la posguerra se encuentran más agrietados que nunca en los últimos 60 años, Europa tiene una oportunidad histórica de aportar a la construcción del mundo de nuestros nietos. El discurso que sigue es una interesante visión (socialdemócrata y centroeuropea) de la razón de ser de la Unión Europea, por parte de un actor importante de la construcción de la Europa actual.



Conferencia de Helmut Schmidt(*) del 4 de diciembre de 2011 en la asamblea nacional del Partido Socialdemócrata Alemán en Berlín.

"Deutschland in und mit Europa"

Fuente: Comunicado de Prensa del SPD

"Alemania en y con Europa"

Traducción española publicada el 26 de diciembre en el sitio de La Nación de Chile.

Liebe Freunde, meine Damen und Herren!

Lassen Sie mich mit einer persönlichen Bemerkung beginnen. Als Sigmar Gabriel, Frank-Walter Steinmeier und meine Partei mich noch einmal um einen Beitrag gebeten haben, habe ich mich gern daran erinnert, wie ich heute vor 65 Jahren mit Loki auf dem Fußboden kniend Einladungsplakate für die SPD in Hamburg-Neugraben gemalt habe. Allerdings muss ich zugleich bekennen: Im Blick auf alle Parteipolitik bin ich altersbedingt schon jenseits von Gut und Böse angekommen. Schon lange geht es mir in erster und in zweiter Linie um die Aufgaben und die Rolle unserer Nation im unerlässlichen Rahmen des europäischen Zusammenschlusses.

Zugleich freue ich mich darüber, dass ich dieses Rednerpult teilen darf mit unserem norwegischen Nachbarn Jens Stoltenberg, der inmitten eines tiefgehenden Unglücks seiner Nation uns und allen Europäern ein wegweisendes Beispiel gegeben hat an unbeirrbarer rechtsstaatlicher, liberaler und demokratischer Führung.

Als inzwischen sehr alter Mann denkt man naturgemäß in langen Zeiträumen – sowohl nach rückwärts in der Geschichte als ebenso nach vorwärts in die erhoffte und erstrebte Zukunft. Gleichwohl habe ich vor einigen Tagen auf eine sehr einfache Frage keine eindeutige Antwort geben können. Wolfgang Thierse hatte mich gefragt: „Wann wird Deutschland endlich ein normales Land?“ Und ich habe geantwortet: In absehbarer Zeit wird Deutschland kein „normales“ Land sein. Denn dagegen steht unsere ungeheure, aber einmalige historische Belastung. Und außerdem steht dagegen unsere demografisch und ökonomisch übergewichtige Zentralposition inmitten unseres sehr kleinen aber vielfältig nationalstaatlich gegliederten Kontinents.

Damit bin ich aber bereits mitten in dem komplexen Thema meines Vortrags: Deutschland in und mit und für Europa.

Motive und Ursprünge der Europäischen Integration

Auch wenn in einigen wenigen der rund 40 Nationalstaaten Europas das heutige Nation-Bewusstsein sich erst verspätet entfaltet hat – so in Italien, in Griechenland und in Deutschland – so hat es doch überall und immer wieder blutige Kriege gegeben. Man kann diese europäische Geschichte – von Mittel-Europa aus betrachtet – auch auffassen als eine schier endlose Folge von Kämpfen zwischen Peripherie und Zentrum und umgekehrt zwischen Zentrum und Peripherie. Dabei blieb das Zentrum immer wieder das entscheidende Schlachtfeld.

Wenn die Herrscher, die Staaten oder die Völker im Zentrum Europas schwach waren, dann stießen ihre Nachbarn aus der Peripherie in das schwache Zentrum vor. Die größte Zerstörung und die relativ größten Verluste an Menschenleben gab es im ersten 30-jährigen Krieg 1618 bis 1648, der sich im Wesentlichen auf deutschem Boden abgespielt hat. Deutschland war damals lediglich ein geographischer Begriff, unscharf definiert allein durch den deutschen Sprachraum. Später kamen die Franzosen unter Louis XIV und abermals unter Napoleon. Die Schweden sind nicht ein zweites Mal gekommen; wohl aber mehrfach die Engländer und die Russen, beim letzten Mal unter Stalin.

Wenn aber die Dynastien oder die Staaten im Zentrum Europas stark waren - oder wenn sie sich stark gefühlt haben! - dann sind sie umgekehrt gegen die Peripherie vorgestoßen. Das galt bereits für die Kreuzzüge, die gleichzeitig Eroberungszüge waren, nicht nur in Richtung Kleinasien und Jerusalem, sondern ebenso in Richtung Ostpreußen und in alle drei heutigen baltischen Staaten. In der Neuzeit galt es für den Krieg gegen Napoleon - und es galt für die drei Kriege Bismarcks 1864, 1866, 1870/71.

Das Gleiche gilt vor allem für den zweiten dreißigjährigen Krieg von 1914 bis 1945. Es gilt insbesondere für Hitlers Vorstöße bis an das Nordkap, bis in den Kaukasus, bis auf das griechische Kreta, bis nach Südfrankreich und sogar bis nach Tobruk nahe der libysch-ägyptischen Grenze. Die Katastrophe Europas, durch Deutschland provoziert, schloss die Katastrophe der europäischen Juden und die Katastrophe des deutschen Nationalstaats ein.

Zuvor hatten aber die Polen, die baltischen Nationen, die Tschechen, die Slowaken, die Österreicher, die Ungarn, die Slowenen und Kroaten das Schicksal der Deutschen geteilt, insofern sie alle seit Jahrhunderten unter ihrer geopolitisch zentralen Lage in diesem kleinen europäischen Kontinent gelitten haben. Oder anders gesagt: Mehrfach haben wir Deutschen andere unter unserer zentralen Machtposition leiden lassen.


Heutzutage sind die konfligierenden territorialen Ansprüche, die Sprach- und Grenzkonflikte, die noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Bewusstsein der Nationen eine sehr große Rolle gespielt haben, de facto weitgehend bedeutungslos geworden, jedenfalls für uns Deutsche. 


Während im Bewusstsein der öffentlichen Meinung und in der veröffentlichten Meinung in den Nationen Europas die Kenntnis und die Erinnerung der Kriege des Mittelalters weitgehend abgesunken sind, so spielt jedoch die Erinnerung an die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts und an die deutsche Besatzung immer noch eine latent dominierende Rolle.

Für uns Deutsche scheint mir entscheidend zu sein, dass fast alle Nachbarn Deutschlands – und außerdem fast alle Juden auf der ganzen Welt - sich des Holocaust und der Schandtaten erinnern, die zur Zeit der deutschen Besatzung in den Ländern der Peripherie geschehen sind. Wir Deutschen sind uns nicht ausreichend im Klaren darüber, dass bei fast allen unseren Nachbarn wahrscheinlich noch für viele Generationen ein latenter Argwohn gegen die Deutschen besteht.

Auch die nachgeborenen deutschen Generationen müssen mit dieser historischen Last leben. Und die heutigen dürfen nicht vergessen: Es war der Argwohn gegenüber einer zukünftigen Entwicklung Deutschlands, der 1950 den Beginn der europäischen Integration begründet hat.

Churchill hatte 1946 zwei Motive, als er in seiner großen Züricher Rede die Franzosen aufgerufen hat, sich mit den Deutschen zu vertragen und mit ihnen gemeinsam die Vereinigten Staaten Europas zu begründen: Nämlich erstens die gemeinsame Abwehr der als bedrohlich erscheinenden Sowjetunion - aber zweitens die Einbindung Deutschlands in einen größeren westlichen Verbund. Denn Churchill sah weitsichtig die Wiedererstarkung Deutschlands voraus.

Als 1950, vier Jahre nach Churchills Rede, Robert Schuman und Jean Monnet mit dem Schuman-Plan für den Zusammenschluss der westeuropäischen Schwerindustrie hervorgetreten sind, geschah dies aus dem gleichen Motiv, aus dem Motiv der Einbindung Deutschlands. Charles de Gaulle, der zehn Jahre später Konrad Adenauer die Hand zur Versöhnung geboten hat, hat aus dem gleichen Motiv gehandelt.

All dies geschah aus realistischer Einsicht in eine als möglich erachtete und zugleich befürchtete künftige Entwicklung deutscher Stärke. Nicht der Idealismus Victor Hugos, der 1849 zur Vereinigung Europas aufgerufen hat, noch irgendein Idealismus stand 1950/52 am Beginn der damals auf Westeuropa beschränkten europäischen Integration. Die damals führenden Staatsmänner in Europa und in Amerika (ich nenne George Marshall, Eisenhower, auch Kennedy, vor allem aber Churchill, Jean Monnet, Adenauer und de Gaulle oder auch de Gasperi und Henri Spaak) handelten keineswegs aus Europa-Idealismus, sondern aus Kenntnis der bisherigen europäischen Geschichte. Sie handelten aus realistischer Einsicht in die Notwendigkeit, eine Fortsetzung des Kampfes zwischen Peripherie und deutschem Zentrum zu vermeiden. Wer dieses Ursprungsmotiv der europäischen Integration, das immer noch ein tragendes Element ist, wer dies nicht verstanden hat, dem fehlt eine unverzichtbare Voraussetzung für die Lösung der gegenwärtig höchst prekären Krise Europas.

Je mehr im Laufe der 1960er, der 70er und 80er Jahre die damalige Bundesrepublik ökonomisch, militärisch und politisch an Gewicht zugenommen hat, um so mehr wurde in den Augen der westeuropäischen Staatslenker die europäische Integration zu einer Rückversicherung gegen eine abermals denkbare machtpolitische Verführbarkeit der Deutschen. Der anfängliche Widerstand z.B. Margret Thatchers oder Mitterands oder Andreottis 1989/90 gegen eine Vereinigung der beiden deutschen Nachkriegsstaaten war eindeutig begründet in der Besorgnis vor einem starken Deutschland im Zentrum dieses kleinen europäischen Kontinents.

Ich erlaube mir an dieser Stelle einen kleinen persönlichen Exkurs. Ich habe Jean Monnet zugehört, als ich an Monnet’s Komitee „Pour les États-Unis d’Europe“ beteiligt war. Das war 1955. Für mich ist Jean Monnet einer der weitestblickenden Franzosen geblieben, die ich in meinem Leben kennengelernt habe – in Sachen Integration übrigens auch wegen seines Konzepts des schrittweisen Vorgehens bei der Integration Europas.

Ich bin seither aus Einsicht in das strategische Interesse der deutschen Nation, nicht aus Idealismus, ein Anhänger der europäischen Integration, ein Anhänger der Einbindung Deutschlands geworden und geblieben. (Das hat mich damals zu einer für Kurt Schumacher ganz belanglosen, für mich aber, damals gerade 30 Jahre alter Kriegsheimkehrer, zu einer sehr ernst zu nehmenden Kontroverse mit meinem von mir hoch verehrten Parteivorsitzenden geführt.) Es hat mich in den 1950er Jahren zur Bejahung der Pläne des damaligen polnischen Außenministers Rapacki geführt. Zu Beginn der 60er Jahre habe ich dann ein Buch gegen die offizielle westliche Strategie der nuklear-strategischen Vergeltung geschrieben, die damals von Seiten der NATO der mächtigen Sowjetunion angedroht wurde, in die wir damals wie auch heute eingebunden waren.

Die Europäische Union ist notwendig 

De Gaulle und Pompidou haben in den 1960er und frühen 1970er Jahren die europäische Integration fortgesetzt, um Deutschland einzubinden - nicht aber wollten sie auch ihren eigenen Staat auf Gedeih und Verderb einbinden. Danach hat das gute Verständnis zwischen Giscard d’Estaing und mir zu einer Periode französisch-deutscher Kooperation und zur Fortsetzung der europäischen Integration geführt, eine Periode, die nach dem Frühjahr 1990 zwischen Mitterand und Kohl erfolgreich fortgesetzt worden ist. Zugleich ist seit 1950/52 die europäische Gemeinschaft bis 1991 schrittweise von sechs auf zwölf Mitgliedsstaaten gewachsen. 

Dank der weitgehenden Vorarbeit durch Jacques Delors (damals Präsident der Europäischen Kommission) haben Mitterand und Kohl 1991 in Maastricht die gemeinsame Euro-Währung ins Leben gerufen, die dann im Jahre 2001, zehn Jahre später, greifbar geworden ist. Zugrunde lag abermals die französische Besorgnis vor einem übermächtigen Deutschland – genauer gesagt: vor einer übermächtigen D-Mark.

Inzwischen ist der EURO zur zweitwichtigsten Währung der Weltwirtschaft geworden. Diese europäische Währung ist nach innen wie auch im Außenverhältnis bisher stabiler als der amerikanische Dollar - und stabiler als die D-Mark in ihren letzten 10 Jahren gewesen ist. Alles Gerede und Geschreibe über eine angebliche „Krise des Euro“ ist leichtfertiges Geschwätz von Medien, von Journalisten und von Politikern.

Seit Maastricht 1991/92 hat sich aber die Welt gewaltig verändert. Wir haben die Befreiung der Nationen im Osten Europas und die Implosion der Sowjet-Union erlebt. Wir erleben den phänomenalen Aufstieg Chinas, Indiens, Brasiliens und anderer „Schwellenländer“, die man früher pauschal „Dritte Welt“ genannt hat. Gleichzeitig haben sich die realen Volkswirtschaften größter Teile der Welt „globalisiert“, auf Deutsch: Fast alle Staaten der Welt hängen von einander ab. Vor allem haben die Akteure auf den globalisierten Finanzmärkten sich eine einstweilen ganz unkontrollierte Macht angeeignet.


Aber zugleich - und fast unbemerkt - hat sich die Menschheit explosionsartig auf 7 Milliarden Menschen  vermehrt. Als ich geboren wurde, waren es gerade mal 2 Milliarden gewesen. Alle diese enormen Veränderungen haben gewaltige Auswirkungen auf die Völker Europas, auf ihre Staaten und auf ihren Wohlstand!


Andererseits überaltern alle europäischen Nationen – und überall schrumpfen die Zahlen ihrer Bürger. In der Mitte dieses 21. Jahrhunderts werden vermutlich sogar 9 Milliarden Menschen gleichzeitig auf der Erde leben, während dann die europäischen Nationen zusammen nur noch ganze 7 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen. 7 Prozent von 9 Milliarden! Bis an das Jahr 1950 waren die Europäer über zwei Jahrhunderte lang über 20 Prozent der Weltbevölkerung gewesen. Aber seit 50 Jahren schrumpfen wir Europäer – nicht nur in absoluten Zahlen sondern vor allem in Relation zu Asien, zu Afrika und Lateinamerika. Ebenso schrumpft der Anteil der Europäer am globalen Sozialprodukt, d.h. an der Wertschöpfung der ganzen Menschheit. Er wird bis 2050 auf etwa 10 Prozent absinken; 1950 hatte er noch bei 30 Prozent gelegen.


Jede einzelne der europäischen Nationen wird 2050 nur noch einen Bruchteil von 1 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen. Das heißt: Wenn wir die Hoffnung haben wollen, dass wir Europäer eine Bedeutung für die Welt haben, dann können wir das nur gemeinsam. Denn als einzelne Staaten – ob Frankreich, Italien, Deutschland oder ob Polen, Holland oder Dänemark oder Griechenland – kann man uns am Ende nicht mehr in Prozentzahlen, sondern nur noch in Promillezahlen messen.

Daraus ergibt sich das langfristige strategische Interesse der europäischen Nationalstaaten an ihrem integrierenden Zusammenschluss. Dieses strategische Interesse an der europäischen Integration wird zunehmend an Bedeutung gewinnen. Es ist bisher den Nationen weitestgehend noch nicht bewusst. Es wird ihnen durch ihre Regierungen auch nicht bewusst gemacht.

Falls jedoch die Europäische Union im Laufe der kommenden Jahrzehnte nicht zu einer - wenn auch begrenzten - gemeinsamen Handlungsfähigkeit gelangen sollte, so ist eine selbstverursachte Marginalisierung der einzelnen europäischen Staaten und der europäischen Zivilisation nicht auszuschließen. Ebenso wenig kann in solchem Falle das Wiederaufleben von Konkurrenz- und Prestigekämpfen zwischen den Staaten Europas ausgeschlossen werden. In solchem Falle könnte die Einbindung Deutschlands kaum noch funktionieren. Das alte Spiel zwischen Zentrum und Peripherie könnte abermals Wirklichkeit werden.

Der Prozess der weltweiten Aufklärung, der Ausbreitung der Rechte des einzelnen Menschen und seiner Würde, der rechtsstaatlichen Verfassung und der Demokratisierung würde aus Europa keine wirksamen Impulse mehr erhalten. Unter diesen Aspekten wird die europäische Gemeinschaft zu einer Lebensnotwendigkeit für die Nationalstaaten unseres alten Kontinents. Diese Notwendigkeit reicht über die Motive Churchills und de Gaulles. Sie reicht aber auch über die Motive Monnets und über die Motive Adenauers hinaus. Sie überwölbt heute auch die Motive Ernst Reuters, Fritz Erlers, Willy Brandts und ebenso Helmut Kohls.

Ich füge hinzu: Gewiss aber geht es dabei auch immer noch um die Einbindung Deutschlands. Deshalb müssen wir Deutschen uns Klarheit verschaffen über unsere eigene Aufgabe, unsere eigene Rolle im Rahmen der europäischen Integration.

Deutschland hat Stetigkeit und Zuverlässigkeit nötig

Wenn wir am Ende des Jahres 2011 Deutschland von außen betrachten mit den Augen unserer mittelbaren und unmittelbaren Nachbarn, dann löst Deutschland seit einem Jahrzehnt Unbehagen aus – neuerdings auch politische Besorgnis. In den allerletzten Jahren sind erhebliche Zweifel in die Stetigkeit der deutschen Politik aufgetaucht. Das Vertrauen in die Verlässlichkeit der deutschen Politik ist beschädigt.

Dabei beruhen diese Zweifel und Besorgnisse auch auf außenpolitischen Fehlern unserer deutschen Politiker und Regierungen. Sie beruhen zum anderen Teil auf der für die Welt überraschenden ökonomischen Stärke der vereinigten Bundesrepublik. Unsere Volkswirtschaft hat sich – beginnend in den 1970er Jahren, damals noch zweigeteilt - zur größten in Europa entwickelt. Sie ist technologisch, sie ist finanzpolitisch und sie ist sozialpolitisch heute eine der leistungsfähigsten Volkswirtschaften der Welt. Unsere wirtschaftliche Stärke und unser seit Jahrzehnten vergleichsweise sehr stabiler sozialer Friede haben auch Neid ausgelöst - zumal unsere Arbeitslosigkeitsrate und auch unsere Verschuldungsrate durchaus im Bereich der internationalen Normalität liegen.

Allerdings ist uns nicht ausreichend bewusst, dass unsere Wirtschaft in hohem Maße sowohl in den gemeinsamen europäischen Markt integriert als auch zugleich in hohem Maße globalisiert und damit von der Weltkonjunktur abhängig ist. Wir werden deshalb im kommenden Jahr erleben, dass die deutschen Exporte nicht mehr sonderlich wachsen.

Gleichzeitig hat sich aber eine schwerwiegende Fehlentwicklung ergeben, nämlich anhaltende enorme Überschüsse unserer Handelsbilanz und unserer Leistungsbilanz. Die Überschüsse machen seit Jahren etwa 5 Prozent unseres Sozialproduktes aus. Sie sind ähnlich groß wie die Überschüsse Chinas. Das ist uns nicht bewusst, weil es sich nicht mehr in DM-Überschüssen niederschlägt, sondern in Euro. Es ist aber notwendig für unsere Politiker, sich dieses Umstandes bewusst zu sein.

Denn alle unsere Überschüsse sind in Wirklichkeit die Defizite der anderen. Die Forderungen, die wir an andere haben, sind deren Schulden. Es handelt sich um eine ärgerliche Verletzung des einstmals von uns zum gesetzlichen Ideal erhobenen „außenwirtschaftlichen Gleichgewichts“. Diese Verletzung muss unsere Partner beunruhigen. Und wenn es neuerdings ausländische, meistens amerikanische Stimmen gibt - inzwischen kommen sie von vielen Seiten - die von Deutschland eine europäische Führungsrolle verlangen, so weckt all dies zusammen bei unseren Nachbarn zugleich zusätzlichen Argwohn. Und es weckt böse Erinnerungen.

Diese ökonomische Entwicklung und die gleichzeitige Krise der Handlungsfähigkeit der Organe der Europäischen Union haben Deutschland abermals in eine zentrale Rolle gedrängt. Gemeinsam mit dem französischen Staatspräsidenten hat die Kanzlerin diese Rolle willig akzeptiert. Aber es gibt in vielen europäischen Hauptstädten und ebenso in den Medien mancher unserer Nachbarstaaten abermals eine wachsende Besorgnis vor deutscher Dominanz. Dieses Mal handelt es sich nicht um eine militärisch und politisch überstarke Zentralmacht, wohl aber um ein ökonomisch überstarkes Zentrum!

An dieser Stelle ist eine ernste, sorgfältig abgewogene Mahnung an die deutschen Politiker, an die Medien und an unsere öffentliche Meinung notwendig.

Wenn wir Deutschen uns verführen ließen, gestützt auf unsere ökonomische Stärke, eine politische Führungsrolle in Europa zu beanspruchen oder doch wenigstens den Primus inter pares zu spielen, so würde eine zunehmende Mehrheit unserer Nachbarn sich wirksam dagegen wehren. Die Besorgnis der Peripherie vor einem allzu starken Zentrum Europas würde ganz schnell zurückkehren. Die wahrscheinlichen Konsequenzen solcher Entwicklung wären für die EU verkrüppelnd. Und Deutschland würde in Isolierung fallen.  

Die sehr große und sehr leistungsfähige Bundesrepublik Deutschland braucht – auch zum Schutze vor uns selbst! – die Einbettung in die europäische Integration. Deshalb verpflichtet seit Helmut Kohls Zeiten, seit 1992 der Artikel 23 des Grundgesetzes uns zur Mitwirkung „... bei der Entwicklung der Europäischen Union“. Der Art. 23 verpflichtet uns für diese Mitwirkung auch zu dem „Grundsatz der Subsidiarität...“. Die gegenwärtige Krise der Handlungsfähigkeit der Organe der EU ändert nichts an diesen Grundsätzen.

Unsere geopolitische Zentrallage, dazu unsere unglückliche Rolle im Verlaufe der europäischen Geschichte bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts, dazu unsere heutige Leistungsfähigkeit, all dies zusammen verlangt von jeder deutschen Regierung ein sehr hohes Maß an Einfühlungsvermögen in die Interessen unserer EU-Partner. Und unsere Hilfsbereitschaft ist unerlässlich.

Wir Deutschen haben doch unsere große Wiederaufbau-Leistung der letzten sechs Jahrzehnte auch nicht allein und nur aus eigener Kraft zustande gebracht. Sondern sie wäre nicht möglich gewesen ohne die Hilfen der westlichen Siegermächte, nicht ohne unsere Einbettung in die europäische Gemeinschaft und in das atlantische Bündnis, nicht ohne die Hilfen durch unsere Nachbarn, nicht ohne den politischen Aufbruch im Osten Mitteleuropas und nicht ohne das Ende der kommunistischen Diktatur. Wir Deutschen haben Grund zur Dankbarkeit. Und zugleich haben wir die Pflicht, uns der empfangenen Solidarität würdig zu erweisen durch unsere eigene Solidarität mit unseren Nachbarn!

Dagegen wäre ein Streben nach einer eigenen Rolle in der Weltpolitik und das Streben nach weltpolitischem Prestige ziemlich unnütz, wahrscheinlich sogar schädlich. Jedenfalls bleibt die enge Zusammenarbeit mit Frankreich und mit Polen unerlässlich, mit allen unseren Nachbarn und Partnern in Europa.

Nach meiner Überzeugung liegt es im kardinalen, langfristig-strategischen Interesse Deutschlands, sich nicht zu isolieren und sich nicht isolieren zu lassen. Eine Isolation innerhalb des Westens wäre gefährlich. Eine Isolation innerhalb der Europäischen Union oder des Euro-Raumes wäre hoch gefährlich. Für mich rangiert dieses Interesse Deutschlands eindeutig höher als jedwedes taktische Interesse aller politischen Parteien.

Die deutschen Politiker und die deutschen Medien haben die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, diese Einsicht nachhaltig in der öffentlichen Meinung zu vertreten.

Wenn aber jemand zu verstehen gibt, heute und künftig werde in Europa Deutsch gesprochen; wenn ein deutscher Außenminister meint, fernseh-geeignete Auftritte in Tripolis, in Kairo oder in Kabul seien wichtiger als politische Kontakte mit Lissabon, mit Madrid, mit Warschau oder Prag, mit Dublin, Den Haag, Kopenhagen oder Helsinki; wenn ein anderer meint, eine europäische „Transfer-Union“ verhüten zu müssen –  dann ist das alles bloß schädliche Kraftmeierei.

Tatsächlich ist Deutschland doch über lange Jahrzehnte ein Nettozahler gewesen! Wir konnten das leisten und haben es seit Adenauers Zeiten getan. Und natürlich waren Griechenland, Portugal oder Irland immer Netto-Empfänger.

Diese Solidarität mag heute der deutschen politischen Klasse nicht ausreichend bewusst sein. Aber bisher war sie selbstverständlich. Ebenso selbstverständlich - und außerdem seit Lissabon vertraglich vorgeschrieben - ist das Prinzip der Subsidiarität: Das, was ein Staat nicht selbst regeln oder bewältigen kann, das muss die Europäische Union übernehmen.

Konrad Adenauer ist seit dem Schuman-Plan, aus richtigem politischen Instinkt und gegen den Widerstand sowohl Kurt Schumachers als später auch gegen den Widerstand Ludwig Erhards auf die französischen Offerten eingegangen. Adenauer hat das langfristig-strategische deutsche Interesse – trotz anhaltender Teilung Deutschlands! – richtig beurteilt. Alle Nachfolger – so auch Brandt, Schmidt,  Kohl und Schröder - haben die Integrationspolitik Adenauers fortgesetzt.

Alle tagespolitische, alle innenpolitische, alle außenpolitische Taktik hat nie das langfristig-strategische Interesse der Deutschen in Frage gestellt. Deshalb konnten alle unsere Nachbarn und Partner sich jahrzehntelang auf die Stetigkeit der deutschen Europapolitik verlassen – und zwar unabhängig von allen Regierungswechseln. Diese Kontinuität bleibt auch in Zukunft geboten.

Die heutige Lage der EU verlangt Tatkraft

Konzeptionelle deutsche Beiträge waren immer selbstverständlich. Das sollte auch künftig so bleiben. Dabei sollten wir allerdings nicht der fernen Zukunft vorgreifen. Vertragsänderungen könnten ohnehin die vor zwanzig Jahren in Maastricht geschaffenen Tatsachen, die Unterlassungen und Fehler nur zum Teil korrigieren. Die heutigen Vorschläge zur Änderung des geltenden Lissaboner Vertrages erscheinen mir für die unmittelbare Zukunft als wenig hilfreich, wenn man sich nämlich an die bisherigen Schwierigkeiten mit allseitiger nationaler Ratifikation erinnert - oder an die negativ ausgegangenen Volksabstimmungen.

Ich stimme deshalb dem italienischen Staatspräsidenten Napolitano zu, wenn er Ende Oktober in einer bemerkenswerten Rede verlangt hat, dass wir uns heute auf das konzentrieren müssen, was heute notwendig zu tun ist. Und dass wir dazu die Möglichkeiten ausschöpfen müssen, die der geltende EU-Vertrag uns gibt – besonders zur Stärkung der Haushaltsregeln und der ökonomischen Politik im EURO-Währungsraum.

Die gegenwärtige Krise der Handlungsfähigkeit der in Lissabon geschaffenen Organe der Europäischen Union darf nicht Jahre andauern! Mit der Ausnahme der Europäischen Zentralbank haben die Organe – das Europäische Parlament, der Europäische Rat, die Brüsseler Kommission und die Ministerräte – sie alle haben seit Überwindung der akuten Bankenkrise 2008 und besonders der anschließenden Staatsverschuldungskrise nur wenig an heute wirksamen Hilfen zustande gebracht.

Für die Überwindung der heutigen Führungskrise der EU gibt es kein Patentrezept. Man wird mehrere Schritte benötigen, zum Teil gleichzeitig, zum Teil nacheinander. Man wird nicht nur Urteilskraft und Tatkraft benötigen, sondern auch Geduld! Dabei dürfen konzeptionelle deutsche Beiträge sich nicht auf Schlagworte beschränken. Sie sollten nicht auf dem Fernseh-Marktplatz, sondern stattdessen vertraulich im Rahmen der Gremien der Organe der EU vorgetragen werden. Dabei dürfen wir Deutsche weder unsere ökonomische noch unsere soziale Ordnung, weder unser föderatives System noch unsere Haushalts- und Finanzverfassung den europäischen Partnern als Vorbild oder als Maßstab vorstellen, sondern lediglich als Beispiele unter mehreren verschiedenen Möglichkeiten.

Für das, was Deutschland heute tut oder unterlässt tragen wir alle gemeinsam die Verantwortung für die zukünftigen Wirkungen in Europa. Wir brauchen dafür europäische Vernunft. Wir brauchen aber Vernunft nicht allein, sondern ebenso ein mitfühlendes Herz gegenüber unseren Nachbarn und Partnern.

In einem wichtigen Punkt stimme ich mit Jürgen Habermas überein, der jüngst davon gesprochen hat, dass – ich zitiere – „...wir tatsächlich jetzt zum ersten Mal in der Geschichte der EU einen Abbau von Demokratie erleben!!“ (Ende des Zitats). In der Tat: Nicht nur der Europäische Rat inklusive seiner Präsidenten, ebenso die Europäische Kommission inklusive ihres Präsidenten, dazu die diversen Ministerräte und die ganze Brüsseler Bürokratie haben gemeinsam das demokratische Prinzip beiseite gedrängt! Ich bin damals, als wir die Volkswahl zum Europäischen Parlament einführten, dem Irrtum erlegen, das Parlament würde sich schon selbst Gewicht verschaffen. Tatsächlich hat es bisher auf die Bewältigung der Krise keinen erkennbaren Einfluss genommen, denn seine Beratungen und Entschlüsse bleiben bisher ohne öffentliche Wirkung.

Deshalb möchte ich an Martin Schulz appellieren: Es wird höchste Zeit, dass Sie und Ihre christdemokratischen, Ihre sozialistischen, liberalen und grünen Kollegen, sich gemeinsam, aber drastisch zu öffentlichem Gehör bringen. Wahrscheinlich eignet sich das Feld der seit der G20 im Jahre 2008 abermals völlig unzureichend gebliebenen Aufsicht über Banken, Börsen und deren Finanzinstrumente am besten für einen solchen Aufstand des Europäischen Parlaments.

Tatsächlich haben einige zigtausend Finanzhändler in USA und in Europa, dazu einige Ratingagenturen, die politisch verantwortlichen Regierungen in Europa zu Geiseln genommen. Es ist kaum zu erwarten, dass Barack Obama viel dagegen ausrichten wird. Das Gleiche gilt für die britische Regierung. Tatsächlich haben zwar die Regierungen der ganzen Welt im Jahr 2008/2009 mit Garantien und mit dem Geld der Steuerzahler die Banken gerettet. Aber schon seit 2010 spielt diese Herde von hochintelligenten, zugleich psychose-anfälligen Finanzmanagern abermals ihr altes Spiel um Profit und Bonifikation. Ein Hazardspiel zu Lasten aller Nicht-Spieler, das Marion Dönhoff und ich schon in den 1990er Jahren als lebensgefährlich kritisiert haben.

Wenn sonst keiner handeln will, dann müssen die Teilnehmer der EURO-Währung handeln. Dazu kann der Weg über den Artikel 20 des geltenden EU-Vertrages von Lissabon gehen. Dort ist ausdrücklich vorgesehen, dass einzelne oder mehrere EU-Mitgliedsstaaten „...untereinander eine verstärkte Zusammenarbeit begründen“. Jedenfalls sollten die an der gemeinsamen EURO-Währung beteiligten Staaten gemeinsam für den EURO-Raum durchgreifende Regulierungen ihres gemeinsamen Finanzmarktes ins Werk setzen. Von der Trennung zwischen normalen Geschäftsbanken und andererseits Investment- und Schattenbanken bis zum Verbot von Leerverkäufen von Wertpapieren auf einen zukünftigen Termin, bis zum Verbot des Handels mit Derivaten, sofern sie nicht von der offiziellen Börsenaufsicht zugelassen sind – und bis hin zur wirksamen Einschränkung der den EURO-Raum betreffenden Geschäfte der einstweilen unbeaufsichtigten Ratingagenturen. Ich will Sie, meine Damen und Herren, nicht mit weiteren Einzelheiten belasten.

Natürlich würde die globalisierte Bankenlobby abermals alle Hebel dagegen in Bewegung setzen. Sie hat ja schon bisher alle durchgreifenden Regulierungen verhindert. Sie hat für sich selbst ermöglicht, dass die Herde ihrer Händler die europäischen Regierungen in die Zwangslage gebracht hat, immer neue „Rettungsschirme“ erfinden zu müssen – und sie durch „Hebel“ auszuweiten. Es wird hohe Zeit, sich dagegen zu wehren. Wenn die Europäer den Mut und die Kraft zu einer durchgreifenden Finanzmarkt-Regulierung aufbringen, dann können wir auf mittlere Sicht zu einer Zone der Stabilität werden. Wenn wir aber hier versagen, dann wird das Gewicht Europas weiter abnehmen – und die Welt entwickelt sich in Richtung auf ein Duumvirat zwischen Washington und Peking.

Für die unmittelbare Zukunft des EURO-Raumes bleiben gewisslich all die bisher angekündigten und angedachten Schritte notwendig. Dazu gehören die Rettungsfonds, die Verschuldungsobergrenzen und deren Kontrolle, eine gemeinsame ökonomische und fiskalische Politik, dazu eine Reihe von jeweils nationalen steuerpolitischen, ausgabenpolitischen, sozialpolitischen und arbeitsmarktpolitischen Reformen. Aber zwangsläufig wird auch eine gemeinsame Verschuldung unvermeidbar werden. Wir Deutschen dürfen uns dem nicht national-egoistisch verweigern.

Wir dürfen aber auch keineswegs für ganz Europa eine extreme Deflationspolitik propagieren. Vielmehr hat Jacques Delors recht, wenn er verlangt, mit der Gesundung der Haushalte zugleich wachstumsfördernde Projekte einzuleiten und zu finanzieren. Ohne Wachstum, ohne neue Arbeitsplätze kann kein Staat seinen Haushalt sanieren. Wer da glaubt, Europa könne durch Haushaltseinsparungen allein gesund werden, der möge gefälligst die schicksalhafte Wirkung von Heinrich Brünings Deflationspolitik 1930/32 studieren. Sie hat eine Depression und ein unerträgliches Ausmaß an Arbeitslosigkeit ausgelöst und damit den Untergang der ersten deutschen Demokratie eingeleitet.

An meine Freunde

Zum Schluss, liebe Freunde! Eigentlich muss man nicht so sehr den Sozialdemokraten internationale Solidarität predigen. Denn die deutsche Sozialdemokratie ist seit anderthalb Jahrhunderten internationalistisch gesonnen – in viel höherem Maße als Generationen von Liberalen, von Konservativen oder von Deutsch-Nationalen. Wir Sozialdemokraten haben zugleich an der Freiheit und an der Würde jedes einzelnen Menschen festgehalten. Wir haben zugleich festgehalten an der repräsentativen, der parlamentarischen Demokratie. Diese Grundwerte verpflichten uns heute zur europäischen Solidarität.

Gewiss wird Europa auch im 21. Jahrhundert aus Nationalstaaten bestehen, jeder mit seiner eigenen Sprache und mit seiner eigenen Geschichte. Deshalb wird aus Europa gewiss kein Bundesstaat werden. Aber die Europäische Union darf auch nicht zu einem bloßen Staatenbund verkommen. Die Europäische Union muss ein dynamisch sich entwickelnder Verbund bleiben. Es gibt dafür in der ganzen Menschheitsgeschichte kein Beispiel. Wir Sozialdemokraten müssen zur schrittweisen Entfaltung dieses Verbundes beitragen.

Je älter man wird, desto mehr denkt man in langen Zeiträumen. Auch als alter Mann halte ich immer noch fest an den drei Grundwerten des Godesberger Programms: Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität. Dabei denke ich übrigens, dass heute die Gerechtigkeit vor allem auch Chancengleichheit für Kinder, für Schüler und für junge Leute insgesamt verlangt.


Wenn ich zurückschaue auf das Jahr 1945 oder zurückschauen kann auf das Jahr 1933 – damals war ich gerade 14 Jahre alt geworden -, so will mir der Fortschritt, den wir bis heute erreicht haben, als fast unglaublich erscheinen. Der Fortschritt, den die Europäer seit dem Marshall-Plan 1948, seit dem Schuman-Plan 1950, den wir dank Lech Walesa und Solidarnosz, dank Vaclav Havel und der Charta 77, den wir dank jener Deutschen in Leipzig und Ostberlin seit der großen Wende 1989/91 heute erreicht haben.

Wenn heute der größte Teil Europas sich der Menschenrechte und des Friedens erfreut, dann hatten wir uns das weder 1918 noch 1933 noch 1945 vorstellen können. Lasst uns deshalb dafür arbeiten und kämpfen, dass die historisch einmalige Europäische Union aus ihrer gegenwärtigen Schwäche standfest und selbstbewusst hervorgeht!

¡Queridos amigos, Señoras y Señores!

Déjenme comenzar con una observación personal. Cuando Sigmar Gabriel, Frank-Walter Steinmeier y mi partido me invitaron una vez más a colaborar, recordé con placer cómo, hoy hace 65 años, Loki y yo pintábamos de rodillas en el suelo carteles para el SPD en Hamburg-Neugraben. No obstante, debo reconocer al mismo tiempo que a la vista de toda la política del partido ya me encuentro, por mi edad, más allá del bien y del mal. Desde hace tiempo, considero más importante ocuparme de los cometidos de nuestra nación y de su papel en el insoslayable marco de la unión europea.


Al mismo tiempo, me satisface poder compartir esta tribuna con nuestro vecino noruego Jens Stoltenberg, quien, en medio de una honda desgracia para su país, nos ha dado un ejemplo a seguir a nosotros y a todos los europeos, de un liderazgo constitucional, liberal y democrático irreductible.


Como el anciano que ya soy, uno piensa de forma natural a muy largo plazo, tanto hacia el pasado en la historia, como hacia delante, hacia un futuro esperado y ambicionado. Sin embargo, desde hace unos días no puedo encontrar una respuesta clara a una cuestión muy sencilla. Wolfgang Thierse me preguntó: “¿Cuándo será Alemania, por fin, un país normal?”. Y yo le respondí: En un plazo previsible, Alemania no será un país “normal”, debido a nuestra monstruosa y, sin embargo, extraordinaria carga histórica. Y además a ello se opone nuestra posición central sobreponderada tanto demográfica como económicamente, en medio de este continente nuestro tan pequeño pero dividido en tantos Estados nacionales.

Y así me hallo en medio del complejo tema de mi discurso: Alemania en, con y para Europa.

Motivos y orígenes de la integración europea

Aún cuando en algunos pocos Estados de los alrededor de 40 que conforman Europa, la conciencia actual de nación se ha desarrollado más bien de forma tardía, como en Italia, Grecia y Alemania, siempre ha habido por todas partes sangrientas guerras. Podemos interpretar esta historia europea, desde el punto de vista centroeuropeo, como una serie interminable de luchas entre la periferia y el centro y, viceversa, entre el centro y la periferia, siendo el centro una y otra vez el campo de batalla decisivo.


Cuando los soberanos, los Estados o los pueblos del centro de Europa eran débiles, sus vecinos de la periferia avanzaban hacia el débil centro. La mayor destrucción y las mayores pérdidas en proporción en vidas humanas tuvieron lugar en la Guerra de los Treinta Años entre 1618 y 1648, con Alemania como escenario principal. Alemania era entonces un puro concepto geográfico, definido vagamente sólo por el área de habla alemana. Más tarde llegaron los franceses bajo el reinado de Luis XIV y, de nuevo, bajo Napoleón. Los suecos sólo llegaron una vez, a diferencia de los ingleses y los rusos, la última bajo Stalin.


Pero cuando las dinastías o los Estados del centro de Europa eran fuertes (¡o cuando se sentían fuertes!) entonces eran ellos quienes atacaban la periferia. Así sucedió ya en las Cruzadas, que eran al mismo tiempo expediciones de conquista, no sólo en dirección a Asia Menor y Jerusalén, sino también en dirección a la Prusia oriental y a los tres países bálticos actuales. En la Edad Moderna, fueron la guerra contra Napoleón y las tres guerras de Bismarck, en los años 1864, 1866 y 1870-71.

Lo mismo vale especialmente para la “Segunda Guerra de los Treinta Años” desde 1914 hasta 1945. Vale especialmente para los ataques de Hitler hasta el cabo Norte, hasta el Cáucaso, hasta la isla griega de Creta, hasta el sur de Francia e incluso hasta Tobruk, junto a la frontera entre Libia y Egipto. La catástrofe de Europa, provocada por Alemania, incluyó la catástrofe de los judíos europeos y la catástrofe de la nación alemana.

No obstante, los polacos, los países bálticos, los checos, los eslovacos, los austríacos, los húngaros, los eslovenos y los croatas ya habían compartido previamente el destino de los alemanes, en tanto que todos ellos, desde hace siglos, han sufrido debido a su posición geopolítica central en este pequeño continente europeo. Dicho de otro modo: muchas veces, nosotros, los alemanes, hemos hecho sufrir a otros por nuestra posición de fuerza centralizada.

Hoy en día, son los derechos territoriales encontrados, los conflictos lingüísticos y fronterizos, que todavía desempeñaron un papel muy importante en la primera mitad del siglo XX en la conciencia de las naciones, los que de facto han perdido ampliamente su significado, al menos para nosotros, los alemanes.

Mientras en la conciencia de la opinión pública y en la opinión oficial de las naciones de Europa se ha perdido en gran medida el conocimiento y el recuerdo de las guerras de la Edad Media, el recuerdo de las dos guerras mundiales del siglo XX y de la ocupación alemana sigue jugando un papel dominante latente.

Para nosotros, los alemanes, me parece que lo determinante es que casi todos los vecinos de Alemania –y, además, casi todos los judíos del mundo– se acuerdan del Holocausto y de las atrocidades que se cometieron durante la ocupación alemana de los países de la periferia. Nosotros, los alemanes, no somos lo suficientemente conscientes de que en casi todos nuestros países vecinos es probable que siga existiendo durante muchas generaciones un recelo latente contra los alemanes.

También las futuras generaciones de alemanes deberán vivir con esta carga histórica. Y las actuales no deben olvidar que fue el recelo hacia un desarrollo futuro de Alemania lo que motivó, en 1950, el inicio de la integración europea.


Churchill tenía dos motivos en 1946, cuando en su gran discurso a los franceses en Zúrich apeló a reconciliarse con los alemanes y a formar con ellos los Estados Unidos de Europa: en primer lugar, la defensa común ante lo que parecía una amenaza, la Unión Soviética, y en segundo lugar, la integración de Alemania en una asociación occidental más amplia. Y es que Churchill preveía el resurgimiento de Alemania.

Cuando en 1950, cuatro años después del discurso de Churchill, Robert Schuman y Jean Monnet diseñaron el Plan Schuman para agrupar la industria pesada de la Europa Occidental, el motivo fue el mismo: la integración de Alemania. Charles de Gaulle, quien diez años más tarde tendió la mano a Konrad Adenauer en un gesto de reconciliación, también actuó movido por el mismo motivo.

Todo esto sucedía desde una conclusión realista de un desarrollo futuro considerado posible y, al mismo tiempo, temido, del poder alemán. No fue el idealismo de Víctor Hugo, el que apeló a la unión de Europa en 1849, ni ningún otro idealismo, los que estuvieron detrás de los inicios de la integración europea de 1950-52, limitada en aquel entonces a la Europa Occidental. En aquel entonces, los jefes de Estado de Europa y Estados Unidos (como George Marshall, Eisenhower o también Kennedy, pero sobre todo Churchill, Jean Monnet, Adenauer y de Gaulle o también de Gasperi y Henri Spaak) no actuaron movidos, en absoluto, por un idealismo europeo, sino desde el conocimiento de la historia europea hasta la fecha. Actuaron desde una visión realista por la necesidad de evitar que se prolongara la lucha entre la periferia y el centro alemán. Aquellos que no hayan comprendido este motivo inicial de la integración de Europa, que aún hoy sigue siendo un elemento fundamental, carecen de una condición previa imprescindible para poder resolver la actual crisis europea, marcada por una gran precariedad.

Cuanto más peso adquiría la entonces República Federal Alemana en el aspecto económico, militar y político durante los años 60, 70 y 80 del siglo pasado, tanto más les parecía a los dirigentes de los Estados europeos occidentales que la integración europea era una garantía contra la posibilidad de que los alemanes se dejaran seducir, una vez más, por la política de la fuerza. Las reticencias iniciales de, p. ej., Margaret Thatcher, Mitterrand o Andreotti en 1989-90 contra una reunificación de las dos naciones alemanas surgidas tras la guerra, se basaba claramente en la preocupación ante una Alemania fuerte en el centro de este pequeño continente europeo.

En este momento me permito un pequeño inciso personal. Escuché a Jean Monnet cuando participaba en su comité “Pour les États-Unis d’Europe”. Corría el año 1955. Jean Monnet es uno de los franceses con una mayor visión futurista y progresista que he conocido en mi vida –por cierto, también en materia de integración por su concepto de un proceso gradual hacia la integración de Europa.

Desde entonces, me convertí en un entusiasta de la integración europea desde el punto de vista del interés estratégico de la nación alemana, no desde el idealismo, y en un entusiasta de la implicación de Alemania, y lo sigo siendo. (Eso me llevó a una controversia sin importancia para Kurt Schumacher, mi muy estimado presidente del partido, pero muy seria para mí, que regresaba de la guerra con apenas 30 años.) Me llevó en los años 50 a aceptar los planes del entonces ministro de Exteriores polaco Rapacki. A comienzos de la década de los 60, escribí un libro en contra de la estrategia occidental oficial de la represalia estratégica nuclear, con la que entonces la OTAN amenazaba a la poderosa Unión Soviética y en la que seguimos estando integrados en la actualidad.


La Unión Europea es necesaria

De Gaulle y Pompidou continuaron en la década de los 60 y los 70 con la integración europea, para involucrar a Alemania, pero no querían comprometer su propio Estado a toda costa. Posteriormente, el buen entendimiento que existió entre Giscard d’Estaing y yo, condujo a un periodo de cooperación franco-germana y a la continuación de la integración europea que, tras la primavera de 1990 prosiguió con éxito entre Mitterrand y Kohl. Paralelamente, desde 1950-52 hasta 1991 la Comunidad Europea fue creciendo gradualmente de seis Estados miembros a doce.

Gracias a los trabajos preparatorios de Jacques Delors (entonces Presidente de la Comisión Europea), Mitterrand y Kohl firmaron en 1991 en Maastricht el acuerdo para el nacimiento de la moneda común, el euro, que diez años después, en el 2001, se convirtió en una realidad. La razón, no obstante, se hallaba en la inquietud francesa ante una Alemania predominante, para ser más preciso: ante un marco alemán fuerte.


Desde entonces, el euro se ha convertido en la segunda moneda más importante de la economía mundial. Esta moneda europea posee, tanto en las relaciones internas como externas, mayor estabilidad que el dólar estadounidense y ha sido más estable que el marco alemán en sus últimos diez años. Todo lo dicho y escrito sobre una presunta “crisis del euro” no es más que palabrería frívola de medios, periodistas y políticos.

Sin embargo, desde Maastricht en 1991-92, el mundo ha experimentado profundos cambios. Hemos vivido la liberación de las naciones del Este de Europa y la implosión de la Unión Soviética. Hemos vivido el increíble auge de China, India, Brasil y otros “países emergentes”, a los que antes se conocía colectivamente como el “tercer mundo”. Al mismo tiempo, las economías nacionales reales de la mayor parte del mundo se han “globalizado”, es decir: casi todos los países del mundo dependen los unos de los otros. Sobre todo, los actores de los mercados financieros globalizados han adquirido, por el momento, un poder incontrolado.

Pero simultáneamente, y casi de forma imperceptible, la humanidad se ha multiplicado rápidamente hasta llegar a los 7 mil millones de personas. Cuando yo nací apenas éramos 2 mil millones. ¡Todos estos profundos cambios han tenido enormes consecuencias para los pueblos de Europa, sus Estados y su bienestar!

Por otro lado, todas las naciones europeas están envejeciendo, y por doquier disminuye su población. A mediados de este siglo, se prevé que la población de la Tierra llegue incluso a los 9 mil millones de habitantes, mientras que la población conjunta de las naciones europeas solo representará el 7% de la población mundial. ¡El 7 por ciento de 9 mil millones! Hasta el año 1950, los europeos habían representado durante dos siglos más del 20% de la población mundial. Pero desde hace 50 años, los europeos somos cada vez menos, no sólo en cifras absolutas, sino sobre todo en relación con Asia, África y Latinoamérica. Igualmente disminuye la aportación de los europeos al producto social mundial, es decir, a la creación de valor de toda la humanidad. Hasta el 2050 disminuirá a un 10%, aproximadamente; en 1950 todavía era del 30%.

En 2050 cada una de las naciones europeas será únicamente una fracción del 1% del total de la población mundial. Es decir: si queremos albergar la esperanza de que nosotros, los europeos, jugaremos un papel importante en el mundo, sólo lo podremos conseguir conjuntamente. Porque como Estados aislados, ya sea Francia, Italia, Alemania o bien Polonia, Holanda, Dinamarca o Grecia, ni siquiera representaremos un tanto por ciento de la población mundial, sino solamente un tanto por mil.

De ahí el interés estratégico de los Estados europeos a largo plazo por su unión integradora. Este interés estratégico por la integración europea cobra cada vez mayor importancia. Algo de lo que hasta ahora no son conscientes las naciones en su mayor parte. Tampoco sus Gobiernos les conciencian al respecto.

Pero si la Unión Europea no alcanza en las próximas décadas una capacidad de acción conjunta, ni que sea limitada, puede producirse una marginación auto infligida de cada uno de los Estados europeos y de la civilización europea. Tampoco podemos excluir, en dicho caso, un resurgimiento de las pugnas por la competencia y el prestigio entre los Estados que conforman Europa. En tal caso, apenas podría desarrollarse la integración de Alemania. El antiguo juego entre el centro y la periferia podría repetirse de nuevo.



El proceso de divulgación a nivel mundial, de la extensión de los derechos de todos los seres humanos y de su dignidad, de la garantía constitucional y de la democratización dejaría de recibir un impulso efectivo de Europa. A la luz de estos aspectos, la comunidad europea se convierte en algo vital para los Estados nacionales de nuestro antiguo continente. Esta necesidad va más allá de los motivos de Churchill y de Gaulle. Pero también trasciende los motivos de Monnet y de Adenauer, al igual que los de Ernst Reuter, Fritz Erler, Willy Brandt e, incluso, Helmut Kohl.


Y yo añado que todo esto es cierto, pero seguimos hablando de la implicación de Alemania. Por esta razón, nosotros, los alemanes, debemos ser conscientes de nuestra propia tarea, de nuestro propio papel en el marco de la integración europea.

Alemania precisa continuidad y fiabilidad

Si observamos Alemania a finales del año 2011 desde el exterior con los ojos de nuestros vecinos, tanto los directos como otros más alejados, veremos que, desde hace una década, Alemania provoca malestar y, últimamente, también inquietud política. En los últimos años han aflorado serias dudas sobre la firmeza de la política alemana. La confianza en la fiabilidad de la política alemana está dañada.

Estas dudas e inquietudes se deben a errores en la política exterior de nuestros políticos y Gobiernos alemanes y a la fortaleza económica de la Alemania reunificada, que sorprende al mundo. Nuestra economía nacional ha evolucionado desde los años 70, cuando todavía estaba dividida en dos, hasta convertirse en la mayor de Europa. Es una de las economías nacionales más potentes en la actualidad en el aspecto tecnológico, político-financiero y socio-político. Nuestra fortaleza económica y nuestra paz social, tan estable comparativamente desde hace décadas, también han despertado envidias, especialmente porque nuestra tasa de desempleo y nuestra tasa de endeudamiento están claramente dentro de la normalidad internacional.

Ahora bien, no somos plenamente conscientes de que nuestra economía está integrada en gran medida tanto en el mercado común europeo como, al mismo tiempo, en el mundo globalizado y, por ello, depende de la coyuntura mundial. Por esta razón, en los próximos años experimentaremos un crecimiento muy discreto de nuestras exportaciones.

Al mismo tiempo, se ha producido una anomalía grave en el desarrollo, concretamente unos superávits enormes y continuados de nuestra balanza comercial y de nuestra balanza de pagos. Los superávits suponen desde hace años alrededor del 5% de nuestro producto social. Son muy similares a los excedentes de China. Es algo de lo que no somos conscientes porque no se refleja en superávits en marcos alemanes, sino en euros. Pero es necesario que nuestros políticos también sean conscientes de esta circunstancia.

Y es que todos nuestros superávits son, en realidad, los déficits de otros países. Los créditos que les hemos concedido a sus deudas. Se trata de una irritante infracción del “equilibrio de la economía exterior”, que nosotros convertimos, en su día en un ideal jurídico. Esta infracción debe intranquilizar a nuestros socios. Y cuando recientemente, voces extranjeras, mayoritariamente estadounidenses, aunque ya proceden de otros muchos países también, exigen a Alemania un papel de líder europeo, todo esto también despierta en nuestros vecinos más suspicacias y recelos. Y despierta malos recuerdos.


Esta evolución de la economía y la crisis simultánea de la capacidad de acción conjunta de los órganos de la Unión Europa han empujado a Alemania a adoptar, una vez más, un papel principal. Conjuntamente con el presidente francés, la canciller alemana ha aceptado este papel de buen grado. Pero en muchas capitales europeas, así como en los medios de algunos países vecinos, aflora de nuevo una preocupación creciente por la dominancia alemana. Esta vez no se trata de un abrumador poder centralizado de tipo militar y político ¡sino de un abrumador centro económico!

Llegados a este punto, es necesario advertir de forma ponderada a los políticos alemanes, a los medios y a nuestra opinión pública.


Si nosotros, los alemanes, nos dejáramos llevar, por nuestra fortaleza económica, a reclamar un papel de liderazgo político en Europa o, al menos, a actuar como primus inter pares (primero entre iguales), una creciente mayoría de nuestros países vecinos se opondría a ello activamente. La inquietud de la periferia ante un centro europeo demasiado fuerte resurgiría rápidamente. Las consecuencias probables de dicha evolución serían destructivas para la UE. Y Alemania caería de nuevo en el aislamiento.

La República Federal Alemana, tan grande y tan eficiente, necesita, ¡también para protegerse de nosotros mismos!, la inclusión en la integración europea. Por ello, desde 1992, desde los tiempos de Helmut Kohl, el artículo 23 de la Constitución alemana nos obliga a colaborar “… en el desarrollo de la Unión Europea”. Para esta colaboración, el artículo 23 también nos obliga al “principio de subsidiariedad…”. La crisis actual de la capacidad de acción de los órganos de la UE no altera en absoluto estos principios.

Nuestra posición geopolítica central, nuestro desafortunado papel en la historia europea hasta mediados del siglo XX, así como nuestra productividad actual, requiere de cada Gobierno alemán un elevado nivel de solidaridad para con nuestros socios de la UE. Y nuestra ayuda resulta imprescindible.


Nosotros, los alemanes, no hemos sido los únicos que han contribuido a nuestra enorme reconstrucción de las últimas seis décadas y no se ha conseguido sólo por nuestros propios medios. No habría sido posible sin la ayuda de las potencias vencedoras occidentales, sin nuestra inclusión en la comunidad europea y en la OTAN, sin la ayuda de nuestros vecinos, sin el resurgimiento político en Europa del Este y sin el fin de la dictadura comunista. Nosotros, los alemanes, tenemos motivos para estar agradecidos. Y al mismo tiempo debemos demostrar que somos dignos de la solidaridad que recibimos entonces con nuestra propia solidaridad hacia nuestros vecinos.


Al contrario, aspirar a un papel propio en la política mundial y al prestigio político mundial sería bastante inútil, probablemente incluso perjudicial. En todo caso, la cooperación estrecha con Francia y Polonia, así como nuestros vecinos y socios en Europa, sigue siendo indispensable.

Estoy convencido de que el interés cardinal, estratégico a largo plazo de Alemania radica en no aislarse y en no dejarse aislar. Un aislamiento dentro de Occidente sería peligroso. Un aislamiento dentro de la Unión Europea o de la Eurozona sería muy peligroso. Para mí, este interés de Alemania está claramente por encima de los intereses tácticos de cualquier partido político.


Los políticos alemanes y los medios alemanes tienen la condenada obligación y el deber de defender esta visión constantemente ante la opinión
pública.

Pero cuando alguien da a entender que hoy y en el futuro se hablará alemán en Europa; cuando un ministro de Asuntos Exteriores alemán opina que las apariciones televisivas en Trípoli, El Cairo o Kabul son más importantes que los contactos políticos con Lisboa, Madrid, Varsovia o Praga, con Dublín, La Haya, Copenhague o Helsinki; cuando otro opina que tiene que impedir una “unión de transferencias” europea, entonces todo eso es pura fanfarronería nociva.

¡Es cierto que Alemania ha sido un pagador neto durante décadas! Podíamos permitírnoslo y lo hemos hecho desde la época de Adenauer. Y por supuesto, los receptores netos siempre eran Grecia, Portugal o Irlanda.


Hoy en día, la clase política alemana quizá no es suficientemente consciente de esta solidaridad. Pero hasta ahora era algo natural. E igual de natural, y desde Lisboa contractualmente obligatorio, es el principio de subsidiariedad: la Unión Europea deberá asumir las tareas que un Estado no pueda regular o superar por sí mismo.

Desde el Plan Schuman, Konrad Adenauer aceptó las ofertas francesas siguiendo un instinto político correcto y con las reticencias tanto de Kurt Schumacher, como, más tarde, de Ludwig Erhard. Adenauer valoró correctamente el interés estratégico de Alemania a largo plazo, ¡a pesar de la sostenida división de Alemania! Todos sus sucesores, incluyendo a Brandt, Schmidt, Kohl y Schröder, han continuado con la política de integración de Adenauer.

Todas las tácticas de la política diaria, de la política interior y exterior nunca han puesto en tela de juicio el interés estratégico de los alemanes a largo plazo. Por eso, nuestros vecinos y socios han podido confiar durante décadas en la continuidad de la política europea de Alemania, y independientemente de los cambios de Gobierno. La continuidad también es aconsejable en el futuro.

La situación actual de la UE requiere dinamismo

Las contribuciones alemanas de concepto se daban siempre por supuestas. Y así debería ser, también, en el futuro. Por otro lado, no deberíamos anticiparnos al futuro lejano. De todos modos, las modificaciones contractuales podrían corregir sólo en parte los hechos consumados, las omisiones y los fallos cometidos en Maastricht hace veinte años. Las propuestas actuales de modificación del Tratado de Lisboa en vigor me parecen poco útiles para el futuro inmediato, cuando uno recuerda las dificultades que se han venido teniendo con la ratificación por parte de todas las naciones, o por los referéndums no aprobados por la población.

Por eso estoy de acuerdo con el Presidente de la República Italiana, Giorgio Napolitano, que a finales de octubre, en un discurso memorable, exigió que hoy nos concentremos en lo que es necesario hacer hoy. Y que además debemos agotar las posibilidades que nos brinda el Tratado de la UE en vigor, especialmente para reforzar las normas presupuestarias y la política económica en el área monetaria del euro.

¡La actual crisis de la capacidad de acción de los órganos de la Unión Europea creados en Lisboa no puede durar años! Con la excepción del Banco Central Europeo, estos órganos –el Parlamento Europeo, el Consejo Europeo, la Comisión Europea y los Consejos de Ministros– han aplicado sólo unas pocas medidas eficaces desde la superación de la aguda crisis bancaria de 2008 y especialmente desde la posterior crisis de endeudamiento de los Estados.


No hay ninguna fórmula magistral para superar la actual crisis de liderazgo de la UE. Son necesarios muchos pasos, algunos simultáneos, otros sucesivos. No sólo se necesitará discernimiento y dinamismo, ¡sino también paciencia! A este respecto, las aportaciones de concepto alemanas no pueden limitarse a eslóganes. No deberían exponerse en la televisión, sino confidencialmente en los grupos de los órganos de la UE. Nosotros, los alemanes, no debemos presentar a nuestros socios europeos nuestra normativa económica ni social, y tampoco nuestro sistema federativo ni financiero y presupuestario, como ideal o como norma, sino únicamente como un ejemplo más entre otros.



Todos somos responsables de las consecuencias futuras en Europa de lo que hace o deja de hacer actualmente Alemania. Para ello necesitamos el sentido común europeo. Pero no sólo necesitamos sentido común, también un corazón compasivo para con nuestros vecinos y socios.

En un punto importante coincido con Jürgen Habermas, que ha afirmado recientemente que –cito– “¡¡…por primera vez en la historia de la UE vivimos un retroceso de la democracia!!” (fin de la cita). Y así es: ¡no sólo el Consejo Europeo junto con su Presidente, también la Comisión Europea junto con su Presidente, y los diversos Consejos de Ministros y toda la burocracia de Bruselas, todos ellos han dejado de lado el principio democrático! En aquella época en que introdujimos el sufragio popular para el Parlamento Europeo, caí en el error de pensar que el Parlamento cobraría importancia por sí mismo. De hecho, hasta ahora no ha ejercido ninguna influencia reconocible en la superación de la crisis, porque sus consejos y decisiones no han mostrado hasta ahora ningún efecto público.


Por ello quisiera apelar a Martin Schulz: Ya es hora de que usted y sus colegas cristiano demócratas, socialistas, liberales y verdes, se hagan escuchar conjuntamente ante el espacio público, pero de forma drástica. Probablemente el campo más adecuado para dicha reafirmación del Parlamento Europeo sea la supervisión, a todas luces insuficiente desde el G20 de 2008, de los bancos, de las bolsas y de sus instrumentos financieros.


Ciertamente, miles de agentes financieros de EE.UU. y Europa, a los que se han sumado algunas agencias de calificación, han tomado como rehenes a los responsables políticos de Europa. No cabe esperar que Barack Obama haga mucho al respecto. Lo mismo digo del Gobierno británico. Es verdad que en 2008-2009 los gobiernos de todo el mundo rescataron a los bancos con garantías y con el dinero de los contribuyentes. Pero desde 2010 esta horda de gestores financieros, extremadamente inteligentes pero propensos a la psicosis, han vuelto a jugar su viejo juego de beneficios y bonificaciones. Un juego de azar en el que salen perdiendo los que no juegan y que Marion Döhnhoff y yo ya tildamos de muy peligroso en los años 90.

Si nadie más quiere actuar, deberán hacerlo los países del euro. Para ello puede servir la vía indicada en el artículo 20 del actual Tratado de Lisboa de la UE. Aquí se prevé expresamente que uno o varios miembros de la UE “…instauren entre sí una cooperación reforzada”. En todo caso, los Estados participantes en la moneda común deberían desarrollar conjuntamente para la zona euro regulaciones de intervención de sus mercados financieros comunes. Desde la separación, por un lado entre bancos comerciales convencionales y, por otro, bancos de inversión y bancos en la sombra, pasando por la prohibición de ventas al descubierto de títulos a futuro, y la prohibición de negociar con derivados, si no está permitido por los consejos reguladores oficiales de las bolsas, hasta la limitación eficaz de las operaciones que afectan al espacio monetario europeo por parte de las agencias de calificación no supervisadas por el momento. No quiero seguir agobiándoles, Señoras y Señores, con otros pormenores.


Por supuesto que el lobby bancario globalizado se opondría por todos los medios. Hasta ahora ha evitado todas las regulaciones interventoras. Ha conseguido que sus hordas de agentes pongan en serios apuros a los Gobiernos europeos, que han tenido que inventar una y otra vez “paquetes de rescate” – y ampliarlos con “palanca”. Ya va siendo hora de oponer resistencia. Cuando los europeos reúnan el valor y la fuerza para una regulación interventora de los mercados financieros, podremos volver a medio plazo a una zona de estabilidad. Pero si fallamos, el peso de Europa seguirá disminuyendo, y el mundo avanzará hacia un duunvirato entre Washington y Pekín.

Para el futuro inmediato de la zona euro siguen siendo ciertamente necesarios todos los pasos anunciados y considerados hasta ahora. Entre ellos están los fondos de rescate, los límites superiores de endeudamiento y su control, una política económica y fiscal común, y además una serie de reformas nacionales que afectan a la política fiscal, de gasto, social y del mercado laboral. Pero será también forzosamente inevitable un endeudamiento común. Nosotros, los alemanes, debemos renunciar a ser egoístas con nuestros intereses nacionales.

Pero tampoco debemos, bajo ningún concepto, propagar por toda Europa una política de deflación extrema. Creo más bien que Jacques Delors tenía razón cuando pedía, junto con el saneamiento de los presupuestos, iniciar y financiar al mismo tiempo proyectos que fomenten el crecimiento. Ningún Estado puede sanear su economía sin crecimiento, sin nuevos puestos de trabajo. Quien así lo crea, que Europa puede sanearse con recortes presupuestarios, debería estudiar las fatales consecuencias de la política de deflación de Heinrich Brüning en 1930-32. Desencadenó una depresión y una cifra de paro insoportable y además provocó al hundimiento de la primera democracia alemana.

A mis amigos

Como colofón, queridos amigos: en realidad, nosotros, los socialdemócratas, no debemos dejarnos predicar tanto la solidaridad internacional. Porque la socialdemocracia alemana es, desde hace siglo y medio, favorable a la internacionalidad – en mucho mayor medida que generaciones de liberales, conservadores o nacionalistas alemanes. Nosotros, los socialdemócratas, nos hemos aferrado tanto a la libertad como a la dignidad de cada ser humano. Nos hemos aferrado al mismo tiempo a la democracia representativa y parlamentaria. Estos valores fundamentales nos obligan hoy en día a la solidaridad europea.

Por supuesto que también en el siglo XXI Europa estará formada por Estados nacionales, cada uno con su propio idioma y su propia historia. Por esta razón, seguramente no nacerá de Europa ningún Estado federal Pero la Unión Europea tampoco puede degenerar en una simple unión de Estados. La Unión Europea debe seguir siendo una unión dinámica y en desarrollo. No hay ningún ejemplo de ello en toda la historia de la humanidad. Nosotros, los socialdemócratas, debemos contribuir al despliegue gradual de esta unión.

Cuanto mayor se vuelve uno, más piensa en periodos de tiempo prolongados. También como hombre anciano me aferro todavía firmemente a los tres principios fundamentales del programa de Bad Godesberg: libertad, justicia y solidaridad. A este respecto, dicho sea de paso, pienso que la justicia reclama hoy en día sobre todo igualdad de oportunidades para los niños, los escolares y la gente joven en general.

Cuando miro atrás al año 1945 o más atrás, al año 1933 - entonces acababa de cumplir 14 años-, el progreso al que hemos llegado en la actualidad, me parece casi increíble. El progreso que los europeos hemos alcanzado desde el Plan Marshall de 1948, desde el Plan Schuman de 1950, que hemos alcanzado gracias a Lech Walesa y Solidarnosz, gracias a Vaclav Havel y a la Carta 77, gracias a aquellos alemanes de Leipzig y Berlín Oriental desde el gran cambio de 1989-91.

Si bien hoy en día la mayor parte de Europa disfruta de los derechos humanos y de la paz, esto no nos lo podíamos ni imaginar en 1918, ni en 1933, ni en 1945. Por lo tanto, ¡trabajemos y luchemos para que esta Unión Europea, única en toda la historia, supere su debilidad actual con firmeza y seguridad en sí misma!


* Helmut Schmidt fue Canciller de la República Federal de Alemania (antes de la reunificación), entre 1974 y 1982, además de ministro de Economía, de Exteriores y de Defensa.